Das Stadtbild von Sankt Andreasberg wird irritierend beeinflusst von Immobilien mit Leerstand, verfallenen Fassaden und zum Teil gefährlicher Bausubstanz.
Leerstand und Verfallsimmobilien in Sankt Andreasberg – ein Thema für die Stadtentwicklung
In Sankt Andreasberg gibt es eine Reihe von Gebäuden, die seit vielen Jahren leer stehen und zunehmend verfallen. Einige davon befinden sich an exponierten Stellen und prägen dadurch das Erscheinungsbild einzelner Straßen und Bereiche der Bergstadt erheblich.
Das Thema ist nicht neu. Der Umgang mit langjährigem Leerstand und problematischen Immobilien wurde bereits in der Vergangenheit öffentlich diskutiert. Gleichzeitig zeigt sich, dass Lösungen häufig schwierig sind: Eigentumsverhältnisse müssen geklärt, rechtliche Voraussetzungen geprüft und Zuständigkeiten abgestimmt werden. Hinzu kommen begrenzte finanzielle und personelle Möglichkeiten der öffentlichen Hand.
Dennoch stellt sich die Frage, ob und wie künftig systematischer mit solchen Immobilien umgegangen werden kann.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Sankt Andreasberg schlechtzureden. Im Gegenteil: Die Bergstadt besitzt ein außergewöhnliches Stadtbild, historische Bausubstanz und eine besondere touristische Attraktivität. Gerade deshalb sollte darüber gesprochen werden, wie Gebäude, die dauerhaft leer stehen und zunehmend verfallen, wieder einer Perspektive zugeführt werden können.
Nicht nur ein optisches Problem
Langjähriger Gebäudeleerstand kann weitreichende Folgen haben. Mit zunehmendem Verfall steigen die Kosten einer möglichen Sanierung, während die Chancen auf eine wirtschaftliche Wiedernutzung sinken. Im weiteren Verlauf können Immobilien zu einem Sicherheitsproblem werden oder schließlich nur noch mit erheblichem Aufwand erhalten beziehungsweise zurückgebaut werden.
Gleichzeitig beeinflusst der Zustand exponierter Gebäude die Wahrnehmung eines Ortes. Für einen Tourismusstandort wie Sankt Andreasberg sind ein attraktives Stadtbild, gepflegte Ortslagen und eine lebendige Nutzung vorhandener Immobilien wichtige Standortfaktoren.
Leerstandsmanagement ist deshalb nicht allein eine Frage der Ordnung oder Ästhetik, sondern auch ein Thema der Stadtentwicklung, des Tourismus, des Wohnens und der wirtschaftlichen Entwicklung.
Von einzelnen Problemfällen zu einem gemeinsamen Konzept
Ein sinnvoller Ansatz könnte darin bestehen, problematische Leerstands- und Verfallsimmobilien zunächst systematisch zu erfassen und nach nachvollziehbaren Kriterien zu priorisieren.
Dabei könnten beispielsweise die Dauer des Leerstands, der bauliche Zustand, die Lage und Bedeutung für das Stadtbild, mögliche Gefahren sowie die Chancen einer zukünftigen Nutzung berücksichtigt werden.
Als besonders sichtbares Beispiel wird immer wieder das seit Jahren leerstehende Hotel Tannhäuser genannt. Es ist jedoch nur eines von mehreren Gebäuden, über deren Zukunft in Sankt Andreasberg gesprochen werden sollte.
Auf Grundlage einer solchen Bestandsaufnahme könnte für die einzelnen Immobilien geprüft werden, welche Möglichkeiten tatsächlich bestehen: vom Gespräch mit Eigentümern über Verkauf, Sanierung und neue Nutzungskonzepte bis hin zu Förderprogrammen oder – sofern die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind – ordnungs- und baurechtlichen Maßnahmen.
Bürgerinitiative statt Schuldzuweisung
Aus der aktuellen Diskussion ist die Idee entstanden, das Thema auch aus der Bürgerschaft heraus stärker voranzubringen.
Eine Bürgerinitiative könnte Informationen zusammentragen, problematische Immobilien dokumentieren, Ideen für mögliche Nachnutzungen entwickeln und den Dialog mit Politik, Verwaltung und Eigentümern unterstützen. Hilfreich wäre dabei insbesondere die Mitwirkung von Menschen mit fachlichem Hintergrund – beispielsweise aus Architektur, Stadtplanung, Immobilienwirtschaft oder Recht.
Parallel dazu wird die Möglichkeit eines Einwohnerantrags an den Rat der Stadt Braunlage geprüft. Ziel wäre es, nicht einzelne Entscheidungen vorwegzunehmen, sondern einen strukturierten Umgang mit langjährigem Leerstand und problematischen Immobilien anzustoßen.
Im Mittelpunkt könnte ein kommunales Konzept stehen, das Immobilien erfasst und priorisiert, Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten prüft und die Entwicklung besonders problematischer Objekte dauerhaft begleitet.
Es geht um die Zukunft der Bergstadt
Nicht jedes leerstehende Gebäude ist automatisch eine „Schrottimmobilie“. Nicht jeder Eigentümer kann ohne Weiteres zu einer Sanierung gezwungen werden. Und nicht für jedes Gebäude wird es eine schnelle Lösung geben.
Gerade deshalb lohnt sich ein sachlicher und langfristiger Ansatz.
Die entscheidende Frage lautet nicht, wer in der Vergangenheit zu wenig getan hat, sondern was Sankt Andreasberg künftig tun kann, damit jahrzehntelanger Leerstand nicht zwangsläufig in endgültigem Verfall endet.
Sanierung, neue Nutzung, Verkauf und Investitionen sollten dabei möglichst Vorrang haben. Wo dies nicht möglich ist, müssen andere tragfähige und rechtlich zulässige Lösungen gesucht werden.
Denn jedes Gebäude, das wieder genutzt wird, jede sanierte Fassade und jede neu entwickelte Immobilie kann einen Beitrag dazu leisten, Sankt Andreasberg als lebenswerte Bergstadt und attraktiven Tourismusort weiterzuentwickeln.
Das Thema betrifft damit nicht nur einzelne Eigentümer oder die Stadtverwaltung – sondern die zukünftige Entwicklung von Sankt Andreasberg insgesamt.

